Sonate c-moll


Sonate c-moll

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für Violine und Klavier
von Günther Bitzan

I.    Satz:  Allegro
II.   Satz:  Andante
III.  Satz:  Menuetto
IV  Satz:   Rondo

Zur Musik
     Die Sonate für Violine und Klavier in c-Moll gehört zu den frühesten erhaltenen Kompositionen
Bitzans. Das undatierte Werk stammt mutmaßlich aus der ersten Hälfte des Jahres 1941; es
ist die erste dokumentierte Auseinandersetzung des jugendlichen Autors mit einer mehrsätzigen
Sonatenform. Zwei weitere undatierte Kompositionen (Menuetto und Ländler für Violine
und Klavier; Tänze für zwei Geigen und Cello) sind ebenfalls in die Zeit um 1940/1941 einzuordnen.
Bitzan bedient sich zu dieser Zeit eines klassizistischen, vollständig in den Grenzen
der Dur-Moll-Tonalität verharrenden Kompositionsstils. Die verwendeten Formen und Gattungen
lassen auf eine Orientierung an der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van
Beethovens schließen.
     Die vorliegende Sonate zeigt deutliche Merkmale einer Schülerarbeit, deren Satztechnik
und Formgestalt vermuten lässt, dass der 13jährige Komponist noch keine systematische Unterweisung
im Fach Komposition genossen hatte und sich intuitiv an stilistischen Vorbildern
orientierte, die er aus dem eigenen Instrumentalunterricht kannte. Während der Beginn des
Kopfsatzes vom Gestus und Themenbau des Beginns der c-Moll-Violinsonate Ludwig van Beet-
hovens (op. 30 Nr. 2) inspiriert zu sein scheint, offenbaren sich im weiteren Satzverlauf strukturelle
Schwächen: Der Seitensatz der Exposition erscheint gegenüber der weitschweifigen Überleitungspassage,
die ihm vorangeht, zu leichtgewichtig; die Exposition findet ihrerseits kein
angemessenes Gegengewicht in dem folgenden Formteil, der Charaktere einer Durchführung
und Reprise in sich vereint, ohne einen klar erkennbaren Wiedereintritt des Hauptthemas in
der Grundtonart zu präsentieren. Da die Manuskriptfassung, die über weite Strecken in c-Moll
verbleibt, zudem keinen überzeugenden Tonartenkontrast bietet (gegen Ende erscheint ein
kurzer Exkurs in die Oberquinttonart g-Moll, der zum Satzschluss fast gewaltsam wieder zurück
zur Ausgangstonart geführt wird), erschien es mir geboten, in den Modulationsweg des
Satzes einzugreifen, auch wenn dadurch die formalen Probleme unangetastet bleiben (siehe
hierzu den Revisionsbericht).
     Das an zweiter Stelle stehende Andante sowie das folgende Menuett erweisen sich als
überzeugendere Lösungen hinsichtlich der Beherrschung der gewählten Formen. Beide stehen,
ungewöhnlich angesichts der Haupttonart des Werkes, in D-Dur. Der tänzerische III. Satz kann
als eine gelungene Stilstudie nach Menuettsätzen der Wiener Klassik gelten, während der II.
Satz ähnliche Proportions- und Tonalitätsprobleme aufweist, wie sie im Kopfsatz beobachtet
werden konnten. Die wesentliche Stärke des jungen Komponisten ist die melodische Erfindung,
wie sie sich durchweg in der organisch gearbeiteten Violinstimme zeigt. Folglich betreffen die
meisten editorischen Eingriffe den Klaviersatz, dessen Manuskript vielerorts unter ungünstigen
Verdopplungen von Akkordtönen, repetitiven Begleitungsstrukturen und gelegentlich unter
einer zu basslastigen Registerwahl leidet. Das lebhafte Finale kehrt zur Ausgangstonart c-Moll
zurück; obgleich es als Rondo betitelt ist, präsentiert es vielmehr eine potpourri-artige Abfolge
von Themen und Einfällen in wechselnden Charakteren und Tonalitäten. Die einzige Wiederkehr
des Hauptthemas erscheint, eher die Reprise einer Sonatenhauptsatzform denn eine
Refrainstruktur nahelegend, im letzten Viertel des Satzes.
     Die Partitur des Werkes liegt als Reinschrift in schwarzer Tinte vor; außerdem existiert
eine separate Violinstimme in gleicher Tinte, in die mit Bleistift aufführungspraktische Eintragungen
(Taktzahlen und Fingersätze) vorgenommen wurden. In der vorliegenden Edition wurde
im Abweichungsfall der Partitur Vorrang gegeben. Das letzte Blatt der Violinstimme trägt
den handschriftlichen Hinweis »Uraufgeführt am 27. Juli 1941 in Gegenwart der Nachstehenden:
«, gefolgt von vier Unterschriften (mutmaßlich von Verwandten oder Lehrern Bitzans).
Wer die Interpreten der offenbar in privaten oder schulischen Räumlichkeiten stattgefundenen
Uraufführung gewesen sind, ist nicht dokumentiert.
     Diese Edition ist meinem Großvater Tassilo Bitzan (* 1923), dem älteren Bruder Günther
Bitzans, gewidmet, der den musikalischen Nachlass des Komponisten nach dessen Tod archiviert
und ihn mir an Weihnachten 2013 zur weiteren Verwahrung übergeben hat.

Wendelin Bitzan
Berlin, im September 2015

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